Das Leben als ewiger Geheimtipp

„Demnächst muss der späte Erfolg her. Glumm muss groß raus kommen. Weil er der beste unentdeckte Schriftsteller ist (ich kenne sie alle). Aber bitte noch nicht mit 56. Das würde ihn völlig aus der Bahn werfen. Dann flippt er ja die nächsten zwanzig Jahre lang komplett aus und schreibt nur noch Scheiße. Aber mit sechzig, siebzig oder so. Das wäre gut. Bis dahin wird er mit der sturen Beharrlichkeit, die wir von ihm kennen und schätzen, das Material produzieren, über das man noch in fünfzig Jahren Doktorarbeiten schreiben wird."

About Glumm, Kiezschreiber, 2017


".. Aber wer weiß, ob es dem Glumm hülfe, wenn er jetzt plötzlich berühmt und dann gar reich würde. Eher wohl nicht! Was machte er denn mit dem vielen Geld? Ich wage gar nicht dran zu denken. Dann soll er lieber ein Geheimtipp bleiben.."

Der Revierflaneur, 2011


"..Brennend interessiert schließlich der Unterschied zwischen gutem und wirtschaftlich erfolgreichem Schreiben. Auch da weiß Glumm überaus unterhaltsame Antworten. Regelmäßig nämlich kommen Menschen auf ihn zu, die ihm bereitwillig die Hand entgegenstrecken um ihn in den Olymp der Berufsschriftsteller zu hieven. Doch anstatt diese Hände zu ergreifen, verfaßt er lieber lebensechte, skurrile Berichte über diese Begegnungen..

.. Bei Glumm ist es eine scheinbar ideal große Portion Selbstvertrauen, gespeist von einer scharfen Beobachtungsgabe und Empathie. Er hat keine Probleme sich selbst in einer Geschichte die Hauptrolle zu geben. Gleichzeitig sind die anderen Rollen handwerklich fein und liebevoll ausgeschrieben. Und er gibt freiwillig Raum, wenn ein noch größerer Selbstdarsteller auftritt. Ein narzistischer Stolz auf die eigene Menschenliebe, könnte eine glummsche Formel für gehaltvolles Schreiben lauten. ..

Alice Wunder, Der Blogger Glumm.., 2017

Der Menschenmaler, by Oliver Driesen

(erschienen im Zeilensturm, 6.10.2014)

Sein Name ist Glumm, einfach nur Glumm. Natürlich hat er auch noch einen Vornamen, Andreas, aber der tut wenig zur Sache, wenn einer schon so heißt. Und wenn einer dann noch so schreiben kann, dann geht man hin, zumal er in Hamburg auftritt, man wäre ja schön blöd. Es war eine seiner ganz seltenen Lesungen in der Öffentlichkeit, und das – durchaus angemessen – gleich neben der graffitiverschmierten und putzbröckelnden Roten Flora im “Gebäude 73″ am Schulterblatt.

Dort, in einem Ambiente aus Tresen, Bars und Alkohol, feiernder Crowd, Widerspenstigkeit, Einsamkeit, halbgaren Gefühlen, spätem Punk und politischer Rebellion, las heute abend Andreas Glumm aus Solingen. Nach glaubwürdigen Statistiken einer der meistgelesenen literarischen Blogger Deutschlands. Er las nur etwa 30 Minuten lang einige Texte aus seinen beiden Blogs. Doch das genügte, um wieder sicher zu wissen: Hier gibt es eine Stimme, die anders klingt als das glatt gehobelte, marketingkonforme Einheitsgeplapper einer “unangepassten” Befindlichkeitsliteratur. Glumm war nicht allein an diesem Abend.

Es lasen auch noch seine Blogger-Kolleginnen Sabine Wirsching aus Berlin und Candy Bukowski aus Hamburg. Die beiden kannte ich vorher nicht. Es war aber hilfreich, sie im selben Rahmen zu erleben. Denn das machte noch einmal die Unterschiede klar zwischen einer “Entdeckt mich, bitte!” heischenden Form des Selbstmarketings und der eher schüchternen, im besten Sinne unprofessionellen Menschenmalerei eines Glumm.

 

Jenseits von Selbstmarketing

Kein Zweifel, die beiden Damen hatten den Vortrag ihrer Texte gründlicher geprobt und gekonnter inszeniert als Glumm, der Blogger aus kleinen Verhältnissen im Bergischen Land. Das flüsterte, miaute, dröhnte und kokettierte, wie es sonst nur ausgebildete Bühnen-Profis hinbekommen.

Anders bei Glumms Auftritt: Da sitzt ein großer Junge von über 50 Jahren mit rheinisch-bergischem Zungenschlag, der nie von seinen Textblättern aufblickt, weil die Scheinwerfer ihn blenden und jeden Kontakt zu seinem Publikum unterbinden, was er sicher nicht für ein Unglück hält. Dafür aber besticht er in seinen Geschichten mit einem ebenso röntgenscharfen wie unerschütterlich gutwilligen Blick auf die kleinen Leute, die diese Welt nun einmal mehrheitlich bevölkern. Wie er den schweifen lässt, das muss man am besten selbst mit- oder nachlesen. Bei Glumm zählt nur der Text, und das ist, frei nach Wowereit, auch gut so. Denn darum geht es doch: die Texte selbst zum Sprechen zu bringen, aus Buchstaben Welten zu erschaffen. Alles weitere ergibt sich im Kopf des Publikums.

Was liest man da also? Wenn man wie ich vier, fünf Jahre dabei ist, dann hat man sich unrettbar in einer Welt festgelesen, die anfangs fremd und doch irgendwann schon erschreckend vertraut erscheint. In ein Solinger Kleinstadt-Universum voller Typen, die Heinrich Zille im Berlin um das Jahr 1900 porträtiert oder vielleicht noch Kurt Tucholsky ebendort um 1930 belauscht hätte. Es ist bevölkert von  Taugenichtsen, Tresenkönigen, Quartalssäufern, Heroinjunkies,  Dauerpubertierenden, Kleingeistern, Dummschwätzern, Glücksrittern, Aushilfsjobbern und Nachteulen, von reinblütigen Spinnern und Querulanten, Lottospielern, Tagträumern und schon längst vom Leben Abgehängten. Sie alle zeichnet Glumm mit ganz feiner Feder, denn er kennt sie alle und hat alles erlebt, was auch sie erlebt haben.

 

Zerbrechlich wie Glas

Und dann gibt es die Familie, den inneren Kreis. Für ihn schreibt Glumm sich die Seele aus dem Leib. Für die “Gräfin”, seine blaublütige Lebenspartnerin Susanne Eggert, die sich als Bildhauerin und Malerin durchschlägt und dabei immer für überraschende, warmherzige, zutiefst lebenskluge Aphorismen und Erkenntnisse über das Dasein als solches gut ist. Für die Hündin Frau Moll, die zum Haushalt gehört und Glumm und Gräfin täglich zu weiträumigen Spaziergängen durchs Bergische, Kleinbürgerliche nötigt. Für die bescheidenen, anspruchslosen, nichtsdestoweniger geliebten Eltern, die irgendwann beide ans Ende ihrer Tage gelangen, was wir in allen menschlichen Facetten bis zum allerletzten Schluss und darüber hinaus miterleben (wer dabei nicht weint, wie beide am Ende ganz gläsern werden und dank Glumm doch ihre Würde behalten, der ist wahrscheinlich selbst schon tot). Nicht zu vergessen die engen, stets wiederkehrenden Freunde und Saufkumpane – alle schon vom Leben gezeichnet, aber warum sollte Glumm das nicht auch noch einmal tun.

Seine Erzählungen sind Geschichten vom Rand des sozialen Geschehens, aber mit einer solchen Fokussiertheit, dass wir stets vor dreidimensionalen, unvergleichlich präsenten Figuren stehen, deren Glaubwürdigkeit durch nichts zu erschüttern ist und mit denen man sofort bedingungslos fraternisiert. Dass all dies nicht selten auch zu Lachtränen hinreißt, liegt an der schamlosen, aber eben nie würdelosen Art, wie Glumm diese Figuren durchs Leben stolpern lässt.

Da muss dann bisweilen selbst der eigene Vater dran glauben, dessen Sackfalte im Urlaub am Gardasee während des Nickerchens sehr irritierend unter dem Badehosensaum hervorlugt – es sind alles nur Menschen wie du und ich. “Wir sind Kriechtiere” Das atmet eine Weisheit und Gewitztheit, aber auch einen gutmütigen Witz, wie sie vielleicht nur eine Existenz an der Grenze des Erträglichen hervorbringen kann. Der Autor selbst hat eine Menge durchgemacht mit halluzinogenen Substanzen, viel länger und kompromissloser als vertretbar, aber da fängt es schon an: nach welcher Norm eigentlich vertretbar? Glumm hat sein Lebtag nie dem Anspruch stattgegeben, nach bürgerlich-profitablem Maßstab verwertbar zu sein. Er hat sich diesem Verwertungsinteresse stets so konsequent verweigert, dass daraus nur Literatur werden konnte – mit der traurigen Pointe, dass bis heute kein Verlag den Mut oder das Können aufbrachte, Glumms antibürgerliche Lebensskizzen endlich zum überfälligen Kurzgeschichtenband oder, was gleichviel wäre, zum philosophischen Standardwerk zu verdichten und auf den Markt zu bringen.

Aber nicht nur an der Verlagsindustrie, auch am Autor kann die Fangemeinde in dieser Hinsicht bisweilen verzweifeln. Wenn man Glumm fragt, wann die Gräfin und er denn mit ihren kreativen Potenzialen endlich aus dem Schatten ins mediale Rampenlicht zu treten gedenken, dann sagt er typischerweise etwas wie: “Wir sind Kriechtiere, so was dauert bei uns unendlich lang.” Dabei wäre es verdammt noch mal höchste Zeit, dass genau dies passiert. Dann würde einer noch größeren Kundschaft vor Augen geführt, dass es eben doch ein richtiges Leben im falschen gibt: eines, das allen Zumutungen der Außenwelt zum Trotz mit Gebrüll und Melancholie bis zur Neige gelebt wird. Ganz ohne Bausparvertrag.

Wer war Andreas Glumm? I

 DIE BLOGLITERATEN

 

(Rolling Stone, Papierausgabe Oktober 2010, Auszug)

"Das ist überhaupt kein Telefon, was die Leute da in ihrer Hand halten! Das ist ein Handspiegel! Die Leute kontrollieren unentwegt ihre eigene Fresse! Die gucken sich an, ob sie sexy genug sind für die Welt, die tun nur so, als drückten sie irgendwelche geheimnisvollen Tasten oder riefen sms-Nachrichten ab."

Derart aggressive Prosa schreibt der Poet 500beine alias Andreas Glumm aus Solingen in seinem stark frequentierten Blog, der ihm drei Buchangebote eingebracht hat - unter anderem vom Airen- und Helene Hegemann-Verlag Ullstein.

"Ullstein hat sich zerschlagen. Im Moment kungle ich mit zwei anderen Verlagen. Da gehe ich mit der Zeit: Ein Buch wird kommen."

Der 1960 Geborene gibt sich siegesgewiss, "geht mit der Zeit", was einem gefühlten Hype zuzuschreiben ist: Deutschsprachige Blogs stürmen den Literaturbetrieb.

..  Und wann wird man ein Buch von Andreas Glumm in den Händen halten? Der Zeitpunkt steht in den Sternen, bis dahin bleibt's noch beim Blog, mit seinen indiskreten Einblicken, auch ins Literaturgeschäft unserer Tage.

 

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Leseempfehlung: Andreas Glumm. Weil ich ihn einfach gerne lese. Ich kenne niemanden, der Menschen so beschreiben kann: Als würde er ihnen direkt in die Seele schauen.

Planet 112, August 2015

 

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Ebenfalls sehr schöne und manchmal sehr traurige Dinge schreibt Andreas Glumm in seinem Blog, das vermutlich jeder Lektor Deutschlands schon mal zwischen zwei Buchdeckel pressen wollte. Zumindest jeder, der seinen Beruf versteht.

Christoph Koch, November 2014

 

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Glumm hat das Schreiben auf der Straße gelernt.

Kiezschreiber, 2015

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Der Glumm schreibt vom Leben, von einem Leben, das manche von euch vielleicht auch kennen, vom echten nämlich, in dem es nicht immer zielgerichtet auf die nächste Stufe der Karriereleiter geht, sondern um die Ecken und Kante, die man so abkriegt, während man nach, ja nach was eigentlich? sucht. Beruhigend, dass es nicht nur mir so geht. Beunruhigend, dass so ein Talent nicht längst irgendwie viel bekannter ist (wobei das mittlerweile nicht mehr so richtig stimmt). Achtung: wenn man erstmal anfängt, kommt man nur schlecht wieder weg, wie bei einem guten Buch! Nehmt euch Zeit dafür, es ist’s wert!

SCRAMBLER , Oktober 2014

 

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Mit einer tiefen Verbeugung vor einem, der wahrhaft schreiben und von dem man so unglaublich viel lernen kann.. (..) Er ist Deutschlands meistgelesener Literatur-Blogger und wird auch von uns für seine Wortgewaltigkeit verehrt. (..) Er ist ein Literat, seine autobiografischen Texte sind gewaltig, wortstark, einzigartig gut. Mit über 1 Mio. Seitenaufrufen gehört er zur Spitze der dt. Blogsphäre, darüber sind sich namhafte Vertreter, von der ZEIT bis zu den Netzpiloten einig. Man sollte ihn kennen. Man sollte ihn lesen.

Herrengedeck , Dezember 2013

 

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Studio Glumm ist ein Blog, auf dem man, wenn man einmal zu lesen beginnt, immer weitere Einträge anklickt, weil es so schwer ist, aufzuhören. Andreas Glumm lebt in Solingen und bloggt über sein Leben. Er tut das mit Witz und Weisheit, sodass man sich mit seinen Geschichten identifiziert. Seine Partnerin Susanne Eggert liefert Illustrationen, die das Blog zu einem Gesamtkunstwerk machen.

DIE ZEIT ONLINE, Oktober 2013

 

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Glumm is the German blog of Andreas Glumm who writes contemporary short stories, usually with a seemingly auto-biographical background. I often have to literally laugh out loud while reading it, even though the stories geberally have a gloomy feeling.

Splitbrain Org., 2009

 

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"Der Berliner Literaturagent war so begeistert, er schnappte bald über am Telefon. Ich hatte ihm eine Handvoll Stories gemailt, 100 Seiten fast, die Begeisterung aber wurde von etwas anderem ausgelöst. 'Endlich mal ein Autor', jauchzte er, 'der nicht in Berlin wohnt!' Er hat auch gleich eine Idee parat, wie man aus dem Blog einen Roman strickt. "Ich hatte keinen Roman", denkt Andreas Glumm in diesem Augenblick. "Einen Haufen Stories, aber keinen Roman.."

(Jan Drees, Rolling Stone, 10/2010) 

 

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"Glumm zu lesen lohnt immer, und wer Glumm nicht kennt, der kann eine unfassbare Menge an Erzählungen nachholen.  Wirklich enorm viel. Hier eine aktuell erschienene über das Abbrechen der Schule und das sinnlose Herumhängen danach.  Man könnte auch hinten in seinem Werk mit dem Lesen anfangen, dann ist man den ganzen Herbst über sinnvoll beschäftigt. Glumm ist Metal, Punk oder Rock’n Roll, Glumm ist filterlos und ohne Milch und Zucker, Glumm klingt immer gut.  Wer autobiografisch erzählen möchte, der kann bei Glumm sehr viel lernen."

Maximilian Buddenbohm, Oktober 2012, Herzdamengeschichten

 

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März 2008, Telefon-Interview mit Andreas Glumm auf dem mittlerweile eingegangenen Radio-G, hier der Link.

 

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Fred-Michael Tesch in der Rheinischen Post über Andreas Glumm

 

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